Tibet gehört China seit dem 13. Jahrhundert und
steht seither direkt unter der Verwaltung durch die
Zentralregierung. Der Dalai Lama und der Panchen Lama
erhielten erst nach der Genehmigung durch die
Zentralregierung ihre politische und geistliche
Legitimität. Der jetzige 14. Dalai Lama wurde
seinerzeit vom Vorsitzenden der Nationalen Regierung
genehmigt. Aufgrund dieser Tatsachen und
angesichts der damals in Tibet herrschenden Situation, d.
h., es bestand die Gefahr, Tibet vom Vaterland
abzutrennen, beschloß die Zentralregierung in Beijing
im Januar 1950, auch Tibet friedlich zu befreien, nachdem
die angrenzenden Provinzen wie Yunnan, Xinjiang und Xikang
auf friedliche Weise befreit wurden.
Die
Zentralregierung bot der Lokalregierung in Lhasa Verhandlung
an. Als das Ergebnis der Verhandlung wurde am 23. Mai 1951
das „Abkommen zwischen der Zentralen Volksregierung
und der tibetischen Lokalregierung über Maßnahmen
zur friedlichen Befreiung Tibets“ unterzeichnet, auch
als „17-Punkte-Abkommen“ genannt.
Das Abkommen bestand im wesentlichen aus zwei
Teilen: Einerseits bekräftigte es die Forderungen der
Zentralen Volksregierung an die tibetische Lokalregierung,
die Volksbefreiungsarmee beim Einmarsch in Tibet aktiv zu
unterstützen, die Landesverteidigung zu
verstärken, die imperialistischen Kräfte zu
vertreiben, alle auswärtigen Angelegenheiten der Region
Tibet von der Zentralen Volksregierung einheitlich regeln zu
lassen und die tibetischen Truppen schrittweise in die
Volksbefreiungsarmee einzugliedern. Andererseits wurde darin
versichert, keine Veränderungen des politischen Systems
in Tibet und der besonderen Stellung und Kompetenzen des
Dalai Lama vorzunehmen, die Sitten und Gebräuche der
tibetischen Bevölkerung zu respektieren, die
Religionsfreiheit zu gewährleisten, gesellschaftliche
Reformen durch Vereinbarungen mit der tibetischen
Führung durchzuführen und eine Politik der
regionalen Autonomie der Nationalitäten zu
praktizieren.
Der Dalai Lama und der Panchen
Erdini sandten dem Vorsitzenden der Zentralen
Volksregierung, Mao Zedong, Telegramme, in denen sie die
Unterstützung des 17-Punkte-Abkommens versicherten und
ihre Entschlossenheit bekräftigten, die Einheit der
Souveränität des Vaterlandes zu verteidigen. Die
geistliche und weltliche Bevölkerung Tibets aller
Ebenen und die tibetische Lokalregierung unterstützen
das Abkommen entschieden, hieß es im Telegramm.
Im Jahr 1954 kamen der Dalai Lama und der
Panchen Erdini gemeinsam nach Beijing zur Teilnahme am 1.
Nationalen Volkskongreß der Volksrepublik China, auf
dem der Dalai Lama zum stellvertretenden Vorsitzenden und
der Panchen Erdini zum Mitglied des Ständigen
Ausschusses des Nationalen Volkskongresses gewählt
wurden. Auf dem Kongress berichtete der Dalai Lama über
die positiven Ergebnisse, die bei der Umsetzung des
Abkommens erzielt wurden.