Vom März 1959 bis Ende 1961 wurde in Tibet eine
demokratische Reform durchgeführt,wodurch die 1,300
Jahre andauernde feudale Leibeigenschaft und damit dieses
überaus grausame, morsche und schauderhafte System zu
Grabe getragen wurde.
Es herrschte in Tibet
vor der demokratischen Reform 1959 die theokratische feudale
Leibeigenschaft. Die drei herrschenden Gruppen -- die
lokalen Verwaltungen, die Adligen und die Mönche der
Oberschicht besaßen fast alle Anbauflächen,
Weiden, Wälder und das meiste Vieh. Dagegen hatten die
Leibeigenen und Sklaven, die mehr als 90% der
Gesamtbefvölkerung Tibets stellten, keine
Produktionsmittel. Sie mußten also das ganze Leben lang
abhängig von den drei Herrschergruppen sein. Noch
schlimmer ging es den Sklaven, die 5% der
Gesamtbevölkerung ausmachten. Sie hatten keine
persönliche Freiheit und mußten ganz und gar ihren
Herren gehorchen.
Eine kleine Statistik liegt
vor: Vor der demokratischen Reform gab es in Tibet rund
220,000 ha Anbaufläche, 99.7% davon waren im Besitz der
lokalen Regierungen, der Adligen und der Klöster. Die
restlichen 0,3 Prozent gehörten den Bauern. In den
Viehzuchtgebieten besaßen die drei Lehnsherren das
meiste Vieh. Die Konzentration von Produktionsmitteln in den
Händen der Leibeigenenhalter bedeutete, daß den
Leibeigenen die materiellen Bedingungen für ihre
Existenz vollständig genommen wurden.
In
der Leibeigenengesellschaft wurden die Leibeigenen in Form
von Frondienten, Steuern und Wucherzinsen grausam
ausgebeutet. Allein die tibetische Lokalregierung erhob mehr
als 200 Steuern und zwang die Leibeigenen, Frondienste zu
leisten. Die Leibeigenen mußten jahraus, jahrein
schuften. Wenn das Geerntete für das Essen nicht
reichte, konnten sie nicht umhin, Geld zu Wucherzinzen zu
leihen, und dies führte zu einem Teufelkreis der
Verschuldung, die von Generation zu Generation nicht
beglichen werden konnten. Die persönliche Freiheit der
Leibeigenen wurde von ihrem Herrn bestimmt. Dieser durfte
die Leibeigenen nach Belieben verpachten, abtreten, als
Spielmarke setzen, verpfänden, verschenken oder
verkaufen. Selbstverständlich konnten die Leibeigenen
dies nicht länger ertragen. Sie sehnten sich nach der
Befreiung aus diesem elenden Dasein wie durstige Menschen
nach Wasser.
Am 10. März 1959 zerrissen
die separatistischen Kräfte um den Dalai Lama ganz
offen das Abkommen über die friedliche Befreiung
Tibets", das als 17-Punkte-Abkommen bekannt war, und
zettelten einen bewaffneten Putsch an. Entsprechend der
Politik der Zentralregierung führte das
Tibet-Arbeitskomitee des ZK der Partei die Leibeigenen bei
der demokratischen Reform, während der
konterrevolutionäre Putsch der reaktionären Clique
der Oberschicht Tibets gründlich niedergeschlagen
wurde. Am 28. Juni 1959 bestätigte das
Vorbereitungskomitee fur die Gründung des Autonomen
Gebietes Tibet auf seiner Vollsitzung eine "Resolution
zur demokratischen Reform", Danach sollte die Reform in
zwei Schritten durchgeführt werden. Beim ersten Schritt
galt es, den Putsch zu unterdrücken und die Frondienste
und die Versklavung durch die drei Lehnsherren abzuschaffen
sowie Pacht- und Wucherzinzen zu reduzieren. Beim zweiten
Schritt mußten die Anbauflächen verteilt werden.
Um den Widerstand gegen die demokratische Reform zu mildern,
wurden 60,000 ha Land und 820,000 Stück Vieh von jenen
Leibeigenenhaltern und deren Vertretern, die nicht am Putsch
teilgenommen hatten, abgekauft und dann verteilt. Dafür
wurden 45 Millionen Yuan Renminbi aus dem Staatshaushalt
bereitgestellt. Dagegen wurden der Boden und das Vieh jener
Leibeigenenhalter, die am Putsch beteiligt waren,
entschädigungslos enteignet und an Leibeigene oder
sklaven, die keinen Boden und kein Vieh hatten, verteilt.
Darüber hinaus wurden schwere Frondienste, hohe Steuern
und Wucherzinsen abgeschafft. Ende 1961 war die
demokratische Reform in ganz Tibet im großen und ganzen
abgeschlossen. Rund 187,000 ha Anbauflächen der
Leibeigenenhalter wurden beschlagnahmt bzw. abgekauft, die
dann an 800,000 Leibeigenen oder Sklaven, die keinen Boden
besaßen, verteilt wurden. Von der Niederschlagung des
bewaffneten Putsches bis Ende 1960 wurden in Tibet 1,009
Volksverwaltungen auf Gemeindeebene, 283 auf
Unterbezirksebene, 78 auf Kreis- und 8 auf Bezirks- bzw.
Stadtebene eingerichtet.
Mit der reibungslosen
Vollendung der demokratischen reform wurden in Tibet das
Eigentumssystem der Leibeigenenhalter an Produktionsmitteln
und das theokratische Gesellschaftssystem über Bord
geworfen und eine neue Ära in der tibetischen
Geschichte eingeleitet. Die demokratische Reform in Tibet
galt als ein erfolgreiches Beispiel für die Lösung
des Problems der gesellschaftlichen Veränderungen in
den von nationalen Minderheiten bewohnten Gebieten Chinas.