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Presseattaché Zhang: Interview von Tageszeitung "Junge Welt"

2008/05/15

F: Mit dem heute beginnenden Deutschland-Besuch des Dalai Lama wird die Kampagne gegen Ihr Land möglicherweise neu angefacht. Was ist aus Ihrer Sicht der Hintergrund der vielen, oft auch gewalttätigen, Angriffe der letzten Zeit gegen die VR China?

Hintergrund dieser Attacken ist es, Druck auf die chinesische Regierung auszuüben. Es wird versucht, die Vorbereitungen auf die Olympischen Spiele zu stören und zugleich Werbung für die separatistischen Aktivitäten des Dalai Lama und seiner Anhänger zu machen. Das war deutlich bei den vereinzelten St?rungen des olympischen Fackellaufs zu sehen. Der wurde andererseits aber nicht nur von vielen Ländern, sondern auch von zahllosen chinesischen Auslandsstudenten unterstützt. Aus unserer Sicht hat dieser Fackellauf jedenfalls den olympischen Gedanken sowie die Verständigung von China mit dem Rest der Welt gefördert.

F: Die Attacken waren sicherlich nicht spontan, sondern organisiert. Wer steckte dahinter?

Zunächst einmal die Ex-Tibeter, die den Dalai-Lama unterstützen. Und dann gibt es auch diverse westliche Organisationen, die dahinter stehen. Ihr strategisches Ziel ist es, die Olympischen Spiele in Peking zu torpedieren. Die Attacken auf den Fackellauf sowie die antichinesischen Demonstrationen hat es ja nicht nur in Europa gegeben, sondern auch in den USA. Natürlich sind die Amerikaner daran beteiligt.

F: Der VR China wird die Unterdrückung der Tibeter vorgeworfen. Wie stellt sich die Situation in dieser Region aus Ihrer Sicht dar?

Die am 14. März in Lhasa begonnen Gewalttaten von Anhängern des Dalai Lama haben viele Tote gefordert und dem Eigentum der Bevölkerung großen Schaden zugefügt. Selbstverständlich haben wir sofort im Rahmen unserer Gesetze alle Maßnahmen ergriffen, um die Lage zu beruhigen und die Ordnung wieder herzustellen -- was uns auch voll und ganz gelungen ist. Dazu muss man wissen, daß wir in Tibet in den vergangenen Jahrzehnten sehr viel erreicht haben, unsere Zentralregierung hat mit allen Kräften die Entwicklung dieser Region gefördert. Zum Beispiel ist das Bruttosozialprodukt Tibets in den letzten sieben Jahren jährlich um

zwölf Prozent gewachsen. In den letzten fünf Jahren wurde Tibet mit 94 Milliarden Renminbi subventioniert, die Infrastruktur wurde mit einem Aufwand von 60 Milliarden Renminbi ausgebaut. Früher durften nur die Kinder aus den Oberschichten zur Schule gehen -- heute werden 98,2 Prozent aller Kinder eingeschult. Und was die demokratischen Rechte angeht: 80 Prozent der abgeordneten des tibetischen Volkskongresses sind Tibeter oder Mitglieder anderer Nationalitäten.

F: Der Dalai-Lama nennt das aber kulturellen Völkermord ...

(lacht) Wir haben auch die medizinische Versorgung eingeführt -- unter der früheren Mönchsherrschaft gab es nichts dergleichen. Die

Sterblichkeitsrate von Neugeborenen betrug 1959 43 Prozent -- wir haben sie auf 3,1 Prozent gesenkt. Die Lebenserwartung ist in diesem Zeitraum von 35 auf 67 Jahre gestiegen. Und die tibetische Bevölkerung hat sich von 1,2 Millionen im Jahre 1964 auf heute 2,5 Millionen vergrößert. 95 Prozent aller Menschen, die in Tibet leben, sind Tibeter. Es gibt dort 46 000 Mönche und 1 780 Klöster und Tempel, in die unsere Zentralregierung sehr viel Geld investiert hat. Deshalb ist der Vorwurf von Dalai Lama völlig absurd.

F: Die Bundesregierung reagiert unterschiedlich auf den Besuch des Dalai Lama. Von SPD-Politikern wird er ebenso wenig wie vom Bundespräsidenten empfangen -- wohl aber von zahlreichen CDU-Politikern. Wie reagiert die VR China auf diese unterschiedlichen Reaktionen?

Daß Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den Dalai Lama empfangen hatte, hat zur Störung der chinesisch-deutschen Beziehungen geführt. Dank der Bemühungen beider Seiten haben wir die normale und stabile Entwicklung wieder aufnehmen können. Die Bundesregierung hat uns versichert, daß sie die Zugehörigkeit Tibets zu China anerkennt und daß sie die separatistischen Aktivitäten des Dalai Lama weder fördert noch unterstützt. Dafür sind wir sehr dankbar und hoffen zugleich, daß die

Bundesregierung sich auch strikt an diese Nichteinmischungspolitik hält und nicht zulässt, daß der Dalai Lama von Deutschland aus seine antichinesischen Aktivitäten entfalten kann.

Interview: Peter Wolter



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